Hockey-Amerika feiert Gerber – auf Kosten von Aebischer Anaheim – Colorado 3:2 n. V.
VON JOEL WÜTHRICH AUS DEN USA
ANAHEIM – Jetzt erobert der Emmentaler Martin Gerber (27) auch Amerika. Er
hexte seine Anaheim Mighty Ducks zum sensationellen Sieg (3:2 n.V. gegen
Colorado).
Ein historischer Tag für unser Eishockey. Zum ersten Mal
standen sich in der NHL zwei Schweizer Torhüter gegenüber. Gerber kam bei
Anaheim zum ersten Mal von Beginn weg zum Einsatz. Bei der Colorado Avalanche
stand David Aebischer (24) im Kasten.
Das zweite NHL-Duell von Schweizer Spielern – vorletzte Saison hatte
bereits Reto von Arx (damals bei Chicago) gegen Aebischer gespielt.
Anaheim hatte die letzten zehn Spiele gegen Colorado verloren. Und zuletzt in
dieser Saison viermal hintereinander nicht mehr gewonnen.
In seiner Verzweiflung setzte Trainer Mike Babcock auf Gerber. Den Goalie, den
die Hockey-Bibel «The Hockey News» lediglich als Anaheims Torhüter Nummer
vier taxiert hatte.
«Nobody» Gerber – jetzt ein Star. Nach dem Spiel wählten ihn die Fans
per SMS zum besten Spieler der Partie – vor Colorados Joe Sakic und
Anaheims Paul Kariya. Zwei Olympiasiegern.
Gerber hielt 22 von 24 Schüssen. Zweimal (18. und 62. Min.) stoppte er sogar
den alleine anstürmenden Peter Forsberg. Einen der besten Stürmer der Welt. Damit ist er auf dem besten Weg, Jean-Sébastien Giguere als Nummer eins zu
verdrängen.
Weniger Glück hatte Aebischer. Er parierte zwar 24 von 27 Schüssen. Aber nur
Andy McDonalds Siegestreffer 11 Sekunden vor Schluss war unhaltbar.
Was Aebisccher nach seinem ersten Saisoneinsatz viel mehr schmerzt: Will er
dereinst in Colorado «Hockeygott» Patrick Roy beerben, muss er seine Position
mit Siegen stärken. «Ich werde nicht mehr an der Anzahl Gegentoren oder
abgewehrten Schüssen gemessen, sondern nur an den Siegen.» So gesehen hat
Gerber in diesem Spiel Amerika auf Kosten Aebischers erobert.
Die Schweizer Goalies hatten keine Zeit, vor oder nach dem Spiel ein Wort zu
wechseln. Colorado flog kurz vor dem Spiel aus San Jose ein und bereits eine
Stunde nach der Partie heim nach Denver.
Aebischer: «Ich versuche aber so schnell wie möglich, Tinu anzurufen...»